DAS BLECH DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR - AUTODESTRUKTION
von Vanessa Stern und Team
‚Berlin autofrei‘ ist gescheitert, alle dürfen mit dem SUV in die ehemalige Fußgängerzone und Deutschland bleibt Autoland! Ungebetenes Berühren der Karosserie gilt dem Besitzer als Übergriff. Darum steht nun im Grundgesetz: Das Blech des Menschen ist unantastbar. Denn auch das moderne Selbst möchte unberührt bleiben und schiebt die ökologische Katastrophe vor sich her. Wir schreiben das Jahr 2036! Alle Theater Berlins sind jetzt Parkhäuser.
Bekanntlich schauen Autos „weder links noch rechts“ (Merz). Auf asphaltierten Geraden bahnen sie sich ihre Verkehrsordnung und fahren regelrecht über Leichen. Wo Autos fahren, versammelt sich kein Mensch.
Und wo Autos parken? Wer sich mit der Hoffnung auf kulturelle Auto-Destruktion in den zum Parkdeck 2 umfunktionierten Theatersaal in der Klosterstraße 44 verirrt, trifft dort auf überfahrene Marderwesen in Overalls, die schon zu Lebzeiten Widerstand leisteten. Als blutverschmierte Roadkill-Geister kehren sie zurück und knabbern schon wieder an den Kabeln der PKW, die die Welt bedeuten. Sie rücken den Kraftwagen mit den Inbusschlüsseln des Komischen zu Leibe.
Was hätte Brecht dazu gesagt? Er liebte Autos und schrieb ein Werbegedicht, wofür er ein Auto bekam. Das setzte er vor den Baum und brach sich eine Kniescheibe. Das neue Auto beschlagnahmte die SS. Da sind sie wieder, die Nazis, nicht nur als Volkswagengründer Teil dieser obsessiven Geschichte.
Performance Maika Knoblich / Stephanie Petrowitz / Vanessa Stern Regie Vanessa Stern Kostüme Jelka Plate Bühne Eike Böttcher Dramaturgie Dietmar Schmidt Lichtdesign Maika Knoblich Sound-Design Klaus Gruber Künstlerische Mitarbeit Marie Pooth Künstlerische Produktionsleitung Anne Inken Bickert Presse Nora Gores Live-Transkription Nadine Köhne Gefördert durch Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Vanessa Stern ist Regisseurin, Schauspielerin und Autorin. Gemeinsam mit wechselnden Ensembles entwickelt sie Stücke, die gesellschaftsrelevante Themen so vielschichtig wie komisch auf die Bühne bringen. In ihrem Projekt Heulen kann jede widmet sie sich feministischem Witz und (er)findet Wege, um die Komik von Frauen aus ihrem marginalen Dasein zu befreien. Vanessa Stern studierte zunächst an der UdK Schauspiel, arbeitete dann u. a. am Schauspiel Köln und bei den Salzburger Festspielen, bevor sie in die freie Szene wechselte und seitdem eigene Stoffe umsetzt.