Vorschau

Spielplan April 2021



UNSERE STADT AUS VOGELAUGEN - Start von StaTD finden !

29 April 2021

Sivan Ben Yishais konzertante Lesung erinnert an zerstörte jüdische Orte. Der leere Parkplatz hinterm TD grenzt direkt an den ehemaligen Jüdenhof, dessen Erinnerung ebenfalls diktatorischem Stadtumbau zum Opfer fiel. Genau dort fällt am 29. April der Startschuss unserer zweijährigen Reihe StaTD finden!

Vom Körper-Soundduos HYENAZ begleitet rezitiert die Autorin ihren Text zur verordneten Barbarei an Menschen und Häusern selbst; überlebensgroß wird er außerdem - eingearbeitet in die Videointervention von Patrícia Bateira (aka „NATÜRLich“) auf die Rückfassade des Theatergebäudes projiziert .

von und mit Sivan Ben Yishai / HYENAZ / NATÜRLich


INSELERKUNDUNG

Abtauchen in den Molkenmarkt

ab 30 April 2021

Im Herzen Berlins liegt, aus tektonischen Verschiebungen entstanden, eine Inselgruppe mit einer bisher kaum erkundeten Hauptinsel. Die Aktivistinnen vom Kollektiv Raumstation bieten Touren durch diesen zukünftigen und historischen Molkenmarkt an. Die etwa einstündigen spielerischen Erkundungen auf dem jetzigen Planungs- und Grabungsgelände beginnen vorm Theatereingang und können mit einer späteren Abendveranstaltung im TD kombiniert werden.

www.raumstation.org


EPISODIO

1 / 2 / 3 / 4 Mai 2021

In der Logik von Youtube wird alles – Szenen von Gewalt, extreme politische Positionen, menschliches Leid und Freude, Fake News, das Unboxing eines Produkts oder Bilder einer Naturkatastrophe – zum Platzhalter für Werbung. Was passiert, wenn der geheime Algorithmus des Internetriesen von Video zu Video führend Zusammenhänge provoziert? Federico Vöcks de Schwindt & Ensemble entwickeln mit abgründigem Humor eine episodische Erzählung, die in mehreren Sprachen durch einige Leben streift. Manchmal tragisch, manchmal absurd bewegen sich die Figuren durch Fragmente einer Welt, in der jeder Augenblick eines Lebens vom Markt beeinflusst und instrumentalisiert wird. Life ist the new normal!

von Federico Vöcks de Schwindt & Ensemble


A FEW WORDS FOR A WOMAN TO SING

07 / 08 / 09 Mai 2021

Die Sängerin Cathy Berberian ist trotz ihres neu- und einzigartigen Umgangs mit Stimme sowie als Wegbereiterin in der Vermittlung für Neue Musik wenig bekannt und steht im Schatten von männlichen Komponisten wie John Cage. Hat ihr Schaffen eine geringere Anerkennung bekommen, weil sie eine Frau war? Wird der Frau kein Werk zugetraut? Wie tragfähig ist der Werkbegriff noch? Muss er aus geschlechts- oder genderspezifischer Sicht neu bewertet werden, und lässt sich das Bedeutungsvakuum bezüglich des Werkes von Cathy Berberian nachträglich ausgleichen?

posthumes Empowermentprojekt von picnic


CARE AFFAIR

27 / 28 / 29 / 30 Mai 2021

Ein glamouröser Care-Contest: In einem Ballroom der besonderen Art treten fürsorgliche Figuren jenseits klarer Geschlechterrollen gegeneinander an. Ausgestattet mit dem Interviewmaterial von Menschen, die professionell und/oder privat Fürsorge leisten, suchen sie die Figur der/des ultimativen Sorgetragenden. Sie battlen sich darin Geborgenheit zu geben, 'Nein' zu sagen, zuzuhören, geduldig zu sein, zu ernähren, kurz: sich zu kümmern. Während Sorgearbeit allgegenwärtig ist, wird diese Arbeit oft als selbstverständlich gesehen und nicht wertgeschätzt… wie sie verteilt wird, hat Einfluss auf Geschlechterrollen, Migrationspolitik und Familienbilder.

von Frauen und Fiktion - Gewinner beim nachtkritik-Theatertreffen


PERFORMING ARTS FESTIVAL

25 – 30 Mai 2021

Das Performing Arts Festival Berlin zeigt an zahlreichen Spielorten die Vielfalt und die Schaffenskraft der freien Szene dieser Stadt!


ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR

Premiere 04 Juni 2021

"Komm klar!" ist der Befehl, den wir versuchen mit unserem Leben zu füllen. Wer klarkommt, ist attraktiv – klar. Aber wieso feiern wir es nicht genau anders herum? Wer nicht klarkommt lebt doch die berechtigte Erschöpfung in einer Gesellschaft, in der wir gegen uns selbst und gegeneinander kämpfen.

Der neue Theaterabend von Malte Schlösser und Team fragt, wie geht Nicht-Klarkommen als Verweigerung? Wie lässt es sich üben? Welche Selfies müssten wir produzieren, um unsere Beschädigungen, Traumata und Krisen zu zeigen und zu feiern? Wie können wir dem Nicht-Klarkommen als Verweigerung Hochstatus verleihen? Die Wunde zeigen, emotionale Herrschaft markieren und mit konsequenter Selbstermächtigung Macht und Wirkung von Privilegien und Ausgrenzungen benennen – das wäre eine mögliche Quelle von Verbundenheit.

von Malte Schlösser und Team - (verschobene Theaterpremiere)


DAS LEBEN DER MÄCHTIGEN

Lesung Zora del Buone - draußen in der Laube des Podewil-Hofs

11 Juni 2021

Nicht aus ihrem aktuellen und gefeierten Roman „Die Marschallin“ liest Zora del Buono im Rahmen von StaTD lesen!, sondern aus ihrem Reisetagebuch zu den ältesten Lebewesen der Welt: uralten Bäumen. Mit dem Musiker Daniel Hasler erweist sie dabei auch der ältesten heute noch lebenden Berlinerin den gebührenden Respekt. Es ist die „Dicke Marie“ im Tegeler Forst ...


ON THE FIRST NIGHT WE LOOKED AT MAPS – Los Alemanes del Volga

Sommer 2021

Auf einem Tisch liegen Fotos, Landkarten, Dokumente und ein Gesangbuch, Mate-Tee wird gereicht. Gastgeber dieser dokumentarischen Performance ist ein schwules Paar: Federico, dessen Großvater in einer wolgadeutschen Kolonie in Argentinien aufwuchs und der seit fünf Jahren in Berlin lebt, sowie Wenzel, sein Ehemann, aufgewachsen zwischen den verlassenen Fabriken eines verschwundenen Staates. Den Spuren der Wolgadeutschen folgend, die im 18. Jahrhundert nach Russland auswanderten und 100 Jahre später ihren Weg auf dem amerikanischen Kontinent fortsetzten, setzen sich die Performer mit vergangener Migration und den Widersprüchen familiärer Identität auseinander – im fluiden Erzählfluss eines Paares auf der Suche nach einem “Queer Heritage“ und einer Heimat, die nie wirklich existierte.

von Vöcks/Schwindt


WELTCLUBHAUPSTADT

27 / 28 / 29 August - draußen vorm Podewil

Das bröckelnde Berlin wurde von den Clubs jahrzehntelang als Hintergrund bespielt; für die Wirtschaft waren die Clubs ein zuverlässiger Motor. Spekulation und Corona haben sie nun ins Aus katapultiert; die Vollbremsung droht in Vollschließung überzugehen. Wird es nie wieder, wie es war?

Fabian Gerhardts Club-Recherche nähert sich ihrem Stoff in der Formensprache des Sujets: Sie bietet konzertante Lecture und taumelnde Videobilder im Beat der Live-Musik, die den weiten Platz vorm Podewil zum Dance-Floor macht. Auch das eine Erinnerung - war doch der Jazzschuppen im „Haus der jungen Talente“ lange Zeit der angesagteste „Club“ der DDR.

Fabian Gerhardt (Regie) / CRUSHED (Musik) / Vincent Stefan (Video)