Du denkst, jetzt passiert etwas. Veränderung. Steigerung. Entwicklung. Aber in Wirklichkeit passiert: Nichts. So wartet Antigone auf der Bühne, wo sie die immer gleichen Geschichten vom Sterben aufsagen soll. Sie wird noch hunderte Male sterben und eingegraben werden. Und wir werden sie noch hunderte Male wieder ausgraben. Wir wiederholen immer wieder dieselbe Geschichte, und doch erinnern wir uns an nichts. Während draußen immer mehr Menschen sterben, bleibt die Bühne leer von ihren Toten. Für sie gibt es keinen Text.
Angestiftet von der ewigen Wiederkehr der sophoklesschen Antigone und unter dem Eindruck der brutalen Ereignisse weltweit eskalierender Konflikte unternimmt eine Gruppe junger Theaterschaffender den paradoxen Versuch, Antigone gerade dadurch am Leben zu halten, dass man sie endlich verrotten lässt.
Wenn die Geschichte längst Wirklichkeit geworden ist – welchen Sinn hat es dann noch, sie zu wiederholen? Und wenn die Welt selbst zum Theater des Tötens wird – was kann Theater dann noch sein? Dieser persönliche, körperliche Abend über Theater, Tod, Krise, Erinnerung und Widerstand ist im Rahmen des Hamburger Nachwuchsfestivals KIEZSTÜRMER entstanden.
Mit Rachel van den Boom Text Rachel van den Boom / Rongji Liao / Iván Ruge Regie/Ausstattung Iván Ruge Dramaturgie Rongji Liao Produktion Theaterakademie der HfMT und St.Pauli Theater im Rahmen der Reihe "Kiezstürmer"; unterstützt von der Hamburger Kulturstiftung und der ZEIT-Stiftung Gastspiel unterstützt durch Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung
Rachel van den Boom ist Schauspielerin und Absolventin der Schule für Schauspiel Hamburg mit den Schwerpunkten Schauspiel, Gesang und Musiktheater. Sie war u. a. am Altonaer Theater und beim WE PRESENT Festival zu sehen.
Iván Ruge wuchs zwischen populärer und klassischer Musik auf. Er studierte Philosophie, klassischen Gesang und Opernregie in Kolumbien und Italien. 2026 schließt er sein Regiestudium an der HfMT Hamburg ab. Er arbeitet als freiberuflicher Regisseur und seit dieser Spielzeit für die Staatsoper Stuttgart, wo er im JOiN (Junge Oper im Nord) tätig ist.
Rongji Liao studierte Theaterliteratur und Kulturmanagement in Shanghai und absolviert aktuell ein Dramaturgie-Studium an der HfMT Hamburg. Seine Schwerpunkte liegen auf zeitgenössischer Dramaturgie, Performance und transkultureller Praxis. In der aktuellen Spielzeit arbeitet er als Regieassistent am Theater Oberhausen.